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Immatrikulation von Christianus Wilhelmus a Lehsten

Transkription normierte Angaben
Semester: 1681 Mich.
Nummer: 10
Datum: 6 . 2 . 1682
Vorname: Christianus Wilhelmus Christian Wilhelm
Nachname: a Lehsten Lehsten
Herkunft: Megap. Mecklenburg
Titel, Stand ...: eques
Adeliger
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Christian v.Lehsten, am Sun Mar 12 19:27:17 CET 2017
Quelle: Familiengeschichte v.Lehsten, Bd.1
Christian v.Lehsten, am Sun Mar 12 16:53:03 CET 2017
Christian (Christoph) Wilhelm
Landrath, *1662, +1723

Als Einleitung zur Geschichte dieses merkwürdigen Mannes möge das Urtheil des Math. Joh. von Behr (in seinen res. Mecklenb. p. 1628) über ihn und sein Wirken dienen:
Christianus Guilielmus a Lehsten hoc sancta primarius fuit consiliarius provincialis et anno MDCCXVI cum religius apoloctis Ratzeburgum in exilium abire est jussus. Vir prudens, eruditus, comis, modestus, varicogne fortunae caribus jastalus, et cui patria sine dubio debet, quod non prorsus penitusque ipoius profundata sit libertas.
Christoph Wilhelm hat eine eigenhändige Lebensbeschreibung „Mein Lebenslauff biß Ao 1692 im Herbst“ hinterlassen, die folgendermaßen lautet: Ao. 1662 den 14 Oct. bin Ich zu Güstrow an die Welt gebohren. Ao. 1669 Im Martio bin Ich nach Güstrow an des Hertzogs Hofe gethan als Page beym Erb Printzen zu seyn undt Mit Selbigem alls der zwey Jahr nur Jünger war, Im Studiren, undt Erlernen aller anständigen Geschicklichkeiten aufferzogen zu werden. Ao. 1678. Umb Ostern haben Mein Vormundt und ältester Bruder Seel. vor Gut befunden, mich vom Hofe weg zu nehmen, damit Ich meine Schon weit avancirte Studien weiter fortsetzen undt mit mehrerem Nutzen Prosequiren könnte. Zu welchem Ende Sie Mich So fort In Kost undt privat – Information zu Königsberg In der Neumark bey dem dasigen Rectore, Herrn Magist. Krüger verdungen, Bey welchem gelehrten undt in omni
weg zu nehmen, damit Ich meine Schon weit avancirte Studien weiter fortsetzen undt mit mehrerem Nutzen Prosequiren könnte. Zu welchem Ende Sie Mich So fort In Kost undt privat – Information zu Königsberg In der Neumark bey dem dasigen Rectore, Herrn Magist. Krüger verdungen, Bey welchem gelehrten undt in omni scibili Versirten Manne zu der Zeit andre Mehr von Adel auff gleiche Weise Sich auffhielten. Hierselbst habe Ich Nebst den Studiis humanioribus alls Logica, Rhetorica, Ethica, Politica, Item Historica, und Geographica das Studium Mathematicamen Nebst Arithmetica gründlich begriffen, auch in der Musique auf der Viol de gamba undt andren Instrumenten wie auch im Zeichnen undt der Mignature, darinnen vorhin zu Güstrow beym Printzen unter Anführung undt Handtleitung guter Meister den anfang gemacht hatte, mich ferner geübt undt weiter fortgeholffen, auch zu meiner Ergetzlichkeit das Kunstdrechslen In Elffenbein, Bernstein undt Metallen Erlernt, weile besagter Magister Krüger fast In allen diesen Sachen Excellirte. Undt Sonderliche Gabe Junge leute Woll undt Rühmlich anzuführen hatte. Da Ich denn Solches braven Mannes, der Schon längst In Erziehung vieler Leuthe viele Ehre Eingelegt hatte, großen Fleiß undt Sonderbahre Mühe In meiner Instruction sehr hoch zu rühmen habe. Alls Ich hieselbst zwey Jahre mit Sonderlichem Nutzen mich auffgehalten, bin Ich Ao. 1680 Nach Frankfurt an der Oder gegangen, woselbst Ich In des Professoris Eloquentiae, Herrn von der Licht Hause Undt Kost mich gelegt, undt deßelben, wie auch der Übrigen damahls da befindlichen Männer Collegia fleissig besuchet, alls des berühmten undt gelehrten Herrn D. Stryken, Herrn Doctoris Rhetii, Nachgehends hochbetrauten Churfürstl. Brandenburgischen geheimten Rahts, wie auch des weitberuffenen Herrn D. Becmanns, unter welchem Letztern Ich auch zu Ende des 1681sten Jahres Publice Disputiret habe, undt nach abgelegtem Solchen Specimine von da mich wegbegeben undt zu Rostock in Anführung des Herrn Doctoris Lemken, wie auch des Herrn Professoris Seeligmann, Mich nach anderthalb Jahr Studirens halber auffgehalten, biß Ao. 1683, da wegen der vor Einen Edelmann zu künftiger Beförderung weit außsehenden Zeiten Ich mich resolviret, die Kriegeswißenschaft gleichergestalt zu Erlangen, damit Ich künftig Entweder durch meine Studien oder Krieges Erfahrung Gelegenheit haben möchte, Einer Herrschaft Dienste zu Erweisen, die mir Gnade undt Befoerderung gönnen würde, undt dahin zu gelangen habe Mich Ao. 1683 Im Frühlinge von Rostock nach Hollstein begeben, daselbst unter Ihro Königl. Maj. zu Dannemark Guarde zu Fuß undt zwar bey der Leib Compagnie mich als Cadet gestellet, undt weil dieselbe der Zeit Ihr Quartier in Kiel gehabt, habe deshalb die Studia nicht Negligiret, Sondern Solche auff der Universität ungespahrten Fleißes fortgesetzet, und Gelegenheit bekommen die Matherie nebst der Fortification vollkömmlich zu Erlernen, Ingleichen die Exercitia fleißig zu treiben, biß Ao. 1684 Ihro Königliche Maj. auff Mein aller-unterthänigstes Erinnern undt Suppliciren mich Mit Einem Fähnrichts Platz bey dem Jütländischen National Regiment unter Commando des Herrn Obristen Lamsdorff begnadet.
Ao. 1685 habe nach genommener allergnädigster Permission undt Reisepaß von Königl. Maj. Sonder Resignirung meiner Dienste In Gesellschaft Meines lieben Seel. Brudern Herrn Gustav Adolph, undt Herrn Vettern Jaspar Wilhelm von Meerheim (Jaspar Wilhelm Freiherrn von Meerheimbs Mutter war Eleonore Dorothea geb. von Oertzen a.d.H. Roggow, eine Schwester von Christoph Wilhelms Mutter).
Im Mayo Meine Reise über Hamburg unter Gottes Geleit nach Frankreich durch Holland undt Flandern angetreten, alle Principalste Oehrter besichtigt undt Endlich zu Ende des Junii zu Paris angelangt. Woselbst wir uns zu beßerer Erlernung der Sprache undt Exercitien In des Herrn Bernhardi Berühmte Academie geleget, So mit Printzen, Graffen undt Herren angefüllet war. Als aber Nachgehends Etliche Monaht darauff eine hefftige hitzige Krankheit den Seel. Bruder undt folgendes auch mich beßerer beqwehmlichkeit halber undt der Unruhe Enthoben zu seyn, nöthigte auß der Academie unß zu begeben undt Mein Seeliger Bruder In Meinem hefftigsten Krankseyn, auch an Seinem hitzigen Fieber die Schuldt der Natur bezahlet habe Ich durch göttliche Hülfe, Sorgfältige Pflege Meines vorgedachten lieben Herrn Vettern undt fleißig angewandte Mittel Eines Teutschen damahls in Frankreich versuchens halber sich auffhaltenden Doctoris Medicinae auß Schlesien gebührtig Nahmens Ortlob, Nach außgestandener Drey Mohnat zeit bettlägerigen hefftigen Krankheit In welcher zwey Französische Medicii mich fast biß auff den letzten Bluhtstropfen vorhin zur Ader gelaßen undt abgemergelt hatten, Nach undt nach wieder Männig Vermuthen meine Genesung wieder kümmerlich Erlanget undt Meine übrige Zeit In Frankreich biß Ao. 1687 fleißig undt voll zugebracht, da Ich In Martis wieder von da gegangen undt Im April durch Hollandt undt über Hamburg glücklich wieder In Hollstein In der Stadt Flenßburg, woselbst der Zeit das Regiment lag, angelangt bin. Inzwischen war mir bey solchem Regiment in meinem Abwesen ein Lieutenants Platz bey des Herrn Maj. Weinigels Compagnie conserviret undt gegeben worden. In welcher Function Ich damahls Im Mayo mit dem Regiment zu Waßer nach Copenhagen übergegangen undt Nachgehends Im Julio Einmahl wieder Nach meinem Vaterlandt zur Einrichtung Meiner Umbstände gekehrt bin, Nachdem Ich dazu auff etliche Monat Erlaubniß genommen, undt nachgehends Noch In Selbigem Jahr wieder zu der Compagnie, So der Zeit zu Tondern im Fürstenthum Schleßwig Im Quartier mich verfüget. So hat Ihre Königliche Majst. mir eine Compagnie bey Seiner Hoheit Printz Christians Regiment Allergnädigst anvertrauet undt verliehen. Ao. 1688 Habe mich Im Januaris mit der Wollgebohrenen Jungfl. Ida Margaretha Reventlow, Tit. Herrn Henning Reventlow, Ritter und Königl. Dänischen Geheimten Rahts und Amtmanns zu Flenßburg, auff Hemmelmarck undt Glasau Erbherrn, wie auch Tit. Frau Margaretha Reventlow gebohrenen Rumohren vom Hause Röst Eheleiblicher Eltester Tochter, nach vorher gethanem fleißigen Gebeth zu Gott uns Eine glückliche Ehe mit Einwilligung und Eintracht beyderseits befreundeter Ehrlich verlobt, aber Ihres zahrten Alters halber die Hochzeit noch ein Jahr auffschieben müßen. Ao. 1689 den 26. Januaris habe ich mich zu Kiel mit der vorwollgemeldeten Jungfl. Reventlow Im Namen Gottes durch priesterliche Handt Copuliren laßen. Mit Ihr Eine vergnügte Einträchtige undt Glückliche Ehe In der Zeit gehabt, also daß Jedes das Andre wie Seine Seele geliebet, freundlich undt holdtseelich auch Sanftmühtig sich mit Einander Sonder Eintzigen Zwiespalt begangen etc. etc.
Ao. 1692 haben Ihre Königl. Majst. Im Martio Mich mit der Obristl. Charge allergnädigst beehrt, In welcher Ich mich auch Versuchens halber in Campagne alls Volontair begeben undt bey der In Brabandt wieder den König von Frankreich agirenden Alliirten Armée undt
zwar bey Seiner Excellentz dem Holländischen General Feldt Zeugmeister von Tettau (dies war der Oheim seiner Gemalin von Mutterseite) auffgehalten. In der Hinauffreise hat mich Gott sonderlich nebst andern Officieren undt Volontairs unweit Mastricht auß Einer feindlichen starken Parthey Händen Errettet, Nachdem viel Schüße auff unß Sonder Beschädigung einiges Menschen geschehen. Auch habe Ich dazumahl der bluhtigen großen Attaque und Action beyderseits Arméen bey Steenkerken unweit Engvien beygewohnt, woselbst hochbemeldeter General mir zur Seiten Einen Schuß In den Rechten Kinnbacken bekommen. Mit welcher Action diese Campagne Ihr Ende genommen undt Nachgehends Ich wieder nach Hollstein Revertiret bin.

So weit die Autobiographie Christoph Wilhelms.

Die zuletzt gemeldete Rückkehr nach Holstein geschah im Herbst des Jahres 1692. Herr Henning von Reventlow trat ihm nun das Gut Glasow ab, auf dem er mit seiner Gemalin bis zum Jahr 1697 wohnte, dann aber zogen sie auf ihre Güter nach Mecklenburg und nahmen ihren Wohnsitz zu Dölitz, nachdem Christoph Wilhelm die Stelle eines fürstlich bischöflich Lübeckschen Oberst Hofmeisters und nicht minder glänzende Anerbietungen des Königs von Dänemark abgelehnt hatte.
Christoph Wilhelm setzte sich mit seinem ältern Bruder wegen der väterlichen Güter auseinander und erhielt:
Dölitz, gemuthet 1714, 16. März. den seinem Vater noch nicht ausgefertigten Lehnsbrief über Dölitz u. Boddin erhielt Ch. W. am 25. Febr. 1702.
Boddin, gemuthet 1714, mit Antheil in Lunow. Dazu erwarb er
Lunow. Dies Gut hatte, wie erzählt worden ist, Otto Friedrich Moltke aus dem Levetzowschen Concurs erhalten, es 1652 aber nebst den Pertinenzen in Poggelow und Klein Wüstenfelde an Hartwig Wackerbarth verkauft. 1702 erhielt Christoph Wilhelm eine Expectande auf Lunow und am 11ten August 1710 wurde er eventuell damit belehnt. Als dann 1711 mit Achaz der jüngere Zweig der Familie Wackerbarth erlosch, fertigte Herzog Wilhelm unterm 25sten Febr. 1711 dem Christoph Wilhelm den Lehnbrief aus. Die Klage der älteren Linie der Wackerbarth ex preterno capite zimultaneae investiturae wurde abgewiesen, obgleich die Wackerbarth noch 1714 und 1748 mutheten. Ebenso war die Reluctionsreservation der Levetzow von 1730 ohne Folgen, wie denn auch der Kammerrath Jochim Levetzow mit seiner activ revocatoria wegen Dölitz und Boddin nichts erreichte. Zu Lunow gehörten als Pertinenzen die Mühlanlage zu Kl. Wüstenfelde (in deren Besitz sich Christ. Wilh. gegen die Ansprüche Gustav Adolf Lindemanns zu Kl. Wüstenfelde 1713-1715 brachte), der Hof Hinterfeld oder Neu (Klein) Lunow und das nachmals selbständige Gut:
4. Poggelow. Bei diesem muß man ursprünglich drei Theile unterscheiden, die zu Vorwerk, zu Lunow (4 Bauern u. 2 Cossatenhöfe) u. zu Dalwitz gehörten. Friedrich Wilhelm erwarb, wie bei ihm erzählt werden wird, den bisher zu Vorwerk gehörigen Theil hinzu, bis dann später seine beiden Theile in den Besitz der Bassewitz auf Dalwitz geriethen, die den dritten Theil schon seit alten Zeiten innehatten.
Teltow. Nachdem Gottin c.p. Teltow 1654 ganz aus den Händen der von Lehstenschen Familie gekommen war, hatte der Rath Hans Albrecht Heinen das Hauptgut an sich gebracht, während Teltow in den Besitz einer Frau von Bülow, geb. von Vieregge gelangte. Unterm 18ten März 1702 stellte nun der Landrath Christian Wilhelm Namens der Lehnserben seines Vaters beim hzgl. Geheimen Rathe vor, wie Gottin und Teltow als
altväterliche Besitzungen von Adam von Lehsten nicht ohne Consens der Agnaten hätten veräußert werden dürfen, und bat um gnädigste Belehnung mit beiden Gütern. Der Herzog ertheilte dem Supplicanten auch wirklich unterm 21. Juli 1702 gegen Erlegung von 500 Rthlr. und Aufgabe der hohen Jagd die Investitur mit Teltow, dagegen belehnte er den Obersten v. Heinen am 17ten desselben Monats mit Gottin und wies den Landrath in Bezug auf dieses Gut definitiv ab. Letzterer stellte nunmehr eine Retraitsklage gegen den gedachten von Heinen an, die sich über ein Jahr hinzog und um so verwickelter wurde, als Heinen seinerseits die Herausgabe von Teltow, als einer Pertinenz von Gottin, verlangte. Nach verschiedenen vergeblichen Güteversuchen brachten die hzgl. Commissarien Ernst Friedrich Finecke auf Kassow und der Kammerjunker Otto Friedr. Hobe auf Kl. Tessin am 20. Oct. 1703 zu Rostock einen Vergleich zu Stande, dahin lautend, daß der Oberst v. Heinen Teltow dazu erhielt, dafür aber an den Landrath 1700 Rthlr zahlte. Der herzgl. Consens erfolgte am 24. Oct. desselben Jahres.
Schönau suchte Christian Wilhelm gleichfalls zurück zu erwerben, doch war der 1701-1705 gegen Baron Erlenkamp angestrengte Reluctionsprocess ohne Erfolg.
In Granzow hatte er bedeutende Forderungen, welche Moritz Heinrich Kardorff 1694 als „ungebührlich an sich erhandelt“ bezeichnete. Im Jahre 1703 erkrankte Christoph Wilhelms Gemahlin am Wochenbette gefährlich und wurde nur mit genauer Noth gerettet, wie sie denn auch 1710 noch einmal auf den Tod lag.

Christoph Wilhelm machte sich inzwischen durch seine Kenntnisse und seinen scharfen Verstand so bekannt, daß er nicht allein von allen Verwandten und Freunden als Rechtsbeistand erbeten (so unterschrieb er z.B. im Juli 1700 einen Vergleich zwischen
Moriz Heinrich von Kardorff und Marie Dorothea von Hobe geb. von Blücher) sondern auch im Jahre 1709 zum Landrath des Herzogthums Güstrow und zum Assessor des Land- und Hofgerichts gewählt und ernannt wurde, welche Aemter auch sein Vater bekleidet hatte. In dieser Stellung, und zwar als erster dirigirender Landrath erwarb er sich die ausgezeichnesten Verdienste um sein Vaterland, indem er dasselbe vor dem Despotismus schützte. Wir können uns mit der Erzählung seiner Thaten indessen kurz fassen, da die ausführlichere Darstellung derselben in die allgemeine Mecklenburgische Geschichte gehört.
Nach dem Tode Friedrich Wilhelms, welcher 1695 die Herzogthümer Schwerin und Güstrow vereinigt hatte und am 31sten Juli 1713 ohne Kinder zu hinterlassen verstorben war, gelangte dessen Bruder Carl Leopold zur Regierung, ein Fürst, der nach Franckes
Urtheil (Altes u. neues Mecklenburg 18 p. 388) von Gemüth mißtrauisch und im höchsten Grade herrschsüchtig war, keinen guten Rath annahm, den Ruhm der Standhaftigkeit in einem übertriebenen Eigensinn suchte und dabei den ausschweifendsten Begriff von seinen Regalien hatte. Es konnte nicht fehlen, daß er bei solchem Charakter oftmals mit seinen Landständen in Streit gerieth, deren Rechte er gerne beseitigt hätte. Endlich kam es zum offenen Ausbruch und Carl Leopold rief im Juli des Jahres 1716 Truppen seines Verwandten, des Czars von Rußland, ins Land, um die Ritterschaft zu seinem Willen zu zwingen. Die Rußen hatten Auftrag, alle Häupter der Stände gefangen zu nehmen, allein es wurden nur der Oberstlieutenant von Oertzen auf Roggow, Herr von Plessen auf Barnekow und der Oberstlieutenant Dethleff Hans von Bassewitz-Walmstorf, letzterer irrthümlich statt seines Vaters, ergriffen. Auf das Gerücht dieser Gewaltthat flohen alle adelichen Gutsbesitzer mit Frau und Kindern aus dem Lande, und auch unserm Landrath gelang es zu entkommen, obwohl es vorzugsweise auf ihn abgesehen war. Die Rußen nämlich, welche nach Dölitz zogen, wurden von einem ihnen begegnenden Bauern gefragt, was sie vorhätten, und da ein Soldat unvorsichtig genug antwortete „Großen Landrath klein machen“ eilte jener auf Richtwegen ins Schloß und warnte seinen Herren. Christoph Wilhelm entfernte sich eiligst mit seiner Familie, seinen werthvollsten Sachen und der ritterschaftlichen Kasse, und begab sich nach Ratzeburg, wo er sich mit dem Landmarschall Levin Hahn auf Remplin und dem Klosterhauptmann Oberstlieutenant Joachim von Bassewitz auf Walmstorf als Engerer Ausschuß festsetzte. Der Herzog, wüthend über das Mislingen seiner Pläne, ließ die genannten drei Edelleute unterm 11ten April 1718 fiscalisch anklagen, als hätten sie ihn um „Ehre und Regierung“ bringen wollen, ächtete sie, confiscirte am 27sten April ihre sämtlichen Güter, und zog denn auch die Besitzungen aller derer ein, welche sich nicht verpflichten wollten, „dem in Ratzeburg bestehenden s.g. engeren Ausschuß nicht anzuhangen“. Auch beschwerte er sich, unterm 17ten December 1717 beim Reichstage zu Regensburg über den „Widerspenstigen und ungehorsamen Vasallen, den sogenannten Landrath von Lehsten“.
Damals dichtete der Landrath folgende Verse:
„Wie, wenn was angestellt, muß groß Verbrechen heißen
Das ists, was treuwen Volk durch Mark und Seele dringt.
Wie leicht kann da das Band der Einigkeit zerreißen,
Das Haubt und Glieder doch zu wahrer Wollfahrt bringt.
Obgleich den Ständen noch gewiße Rechte blieben,
Die Sie der Nachwelt auch zu laßen schuldig sind,
Kann doch zum wahren Heil dem Fürsten nicht belieben,
Das nicht ein Landstand thuet möglichst und geschwind.“

Der weitere Verlauf der Angelegenheit ist bekannt. Nach dem auf kaiserlichen Befehl erfolgten Einrücken der hannöverschen Executionstruppen und besonders nach dem Gefecht bei Walsmühlen (am 6ten März 1719) kamen die Edelleute wieder nach Mecklenburg und auch der Landrath kehrte nach Dölitz zurück, welches ihm nun niemand mehr streitig machte. Allein seine Güter waren sehr verwüstet und es wurde ihm nicht leicht, alles wieder in Ordnung zu bringen, obgleich ihm seine Frau, welche die drei Jahre der Verbannung treu mit ausgehalten hatte, auch jetzt helfend und rathend zur Seite
stand, und die Commission ihm ziemlich bedeutenden Schadenersatz zuerkannte. (siehe „Der Mecklenburger Landstand 1160-1918“. v.L.)
Am Ende des Jahres 1721, als Herzog Carl Leopold nach Danzig gegangen war, fand ein Landtag zu Malchin statt, zu dem der Landrath am 7ten Oktober sich einstellte. Nach mehreren Anträgen, welche er am 9ten und 10ten vorbrachte, wurde er am 11ten Oktober zum ersten Mitgliede der Commission gewählt, welche mit dem kaiserlichen Gesandten conferiren sollte, und am 13ten wurde beschlossen, daß jeder Landrath zweihundert, jeder Landmarschall hundert Thaler Entschädigung haben solle, der Landrath von Lehsten aber, seiner außerordentlichen Verdienste willen, noch außerdem tausend.
Christoph Wilhelm erlebte das Ende der Wirren und das Commissiorium Christian Ludwigs nicht mehr. Er starb nach kurzem, aber schwerem Krankenlager in der Nacht vom 6ten auf den 7ten December 1723, um 1 Uhr, zu früh für sein Vaterland, im 61sten Jahre seines Alters, und wurde im Erbbegräbnis zu Boddin beigesetzt. Er hinterließ seine Witwe, welche bis zu ihrem Tode den Niesbrauch an Dölitz und Gross Niekör hatte und fünf Kinder, nämlich drei Söhne: Friedrich Wilhelm (§80), Johann Friedrich (§82) und Julius Heinrich (§83), und zwei Töchter: Christine Sophie, geb. 15.7.1700 in Dölitz, starb 15.10.1753 in Krekow, welche zuerst (18. April 1721 in Dölitz) an den General Ulrich Otto von Dewitz auf Miltzow (+5. Aug. 1723), dann an den königlich Preußischen General Ludwig Wilhelm von Bissingen auf Krekow (+8. April 1762) vermält wurde, und Ilsabe Catharine (+1729) vermält seit 1723 mit dem k. dän. Oberst Christ. Albr. von Aderkahs. Die Landmarschallin von Maltzan (§81) und eine andere Tochter waren kurz vor ihm, seine vier ältesten Söhne aber, alle Henning nach dem Großvater Reventlow
geheißen, und seine älteste Tochter Margarethe Elisabeth schon in der frühesten Kindheit gestorben.

Herausgegeben im Auftrag des Rektors der Universität Rostock von Kersten Krüger.
Rostock, online seit 2010.

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Kontakt:
Universitätsarchiv
universitaetsarchiv(at)uni-rostock.de

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